Die befreite Frau

Von Caro, Illustration von Lena


Feministisch gesehen ist das alles nicht so einfach.
Was will ich?
Ich will Deutschrap hören, auch wenn es respektlos ist.
Ich will mich zurechtmachen wie Barbie und trotzdem ernst genommen werden. Ich will nicht, dass das ein Paradoxon darstellt.
Ich will „Nein“ sagen können.
Ich will „Ja“ sagen können.
Ich will stark und unabhängig sein und über Frauenwitze lachen.
Ich will Männerwitze machen.
Ich will rücksichtslos sein und Herzen brechen und damit davonkommen, aus keinem bestimmten Grund, außer dem vielleicht, dass ich hübsch bin und eine große Klappe habe.
Ich will Respekt.
Ich will mich verlieben, aber niemandem hinterher laufen.
Ich will Hausfrau werden wollen, ohne dafür angefeindet zu werden.
Ich will CEO werden wollen, ohne dafür angefeindet zu werden.
Ich will nicht zwischen die Fronten geraten.
Ich will nicht, dass Männer Frauen hassen. Und vor allem will ich nicht, dass Frauen Frauen hassen.
Ich will weder als Hure noch als verklemmt bezeichnet werden.
Ich will verfressen und emotional sein, wenn ich meine Tage habe. Und ich will nicht, dass irgendjemand denkt, das beeinflusst meine Entscheidungsfähigkeit oder Seriosität.
Ich will hübsch sein.
Ich will hässlich sein.
Ich will die absolute Freiheit – ich will alles sein können, was ich will, ich will alles haben können, was ich will, ich will ich sein, wer auch immer das ist.
Die „befreite Frau“ muss keinen eigenen Job haben, auf Make-Up (und andere girly things) verzichten, ständig wechselnde Liebhaber haben. Sie kann. Aber sie muss nicht. Die befreite Frau kann tun, was auch immer sie will. Sie kann sich jeglichem Schönheitsideal „beugen“, sie kann sich die Brüste vergrößern lassen, sie kann in selbsternannten Nutten-Kleidern feiern gehen und danach „trotzdem“ alleine nach Hause gehen. Sie kann aufhören, sich zu rasieren, sie kann ein Rockstar werden, sie kann One Night Stands haben. Sie kann eine Firma leiten, zuhause bei den Kindern bleiben, mit dem Sex auf jemanden warten, den sie wirklich mag, oder eben nicht.
Alles, was sie braucht, ist eine Chance.
Alles, was ich will, ist eine Welt, in der wir alle sein können, wer wir wollen. Alles, was ich will, ist so zu sein, dass es sich richtig anfühlt. Alles, was ich will, ist eine Chance. Eine Möglichkeit. Tausend Möglichkeiten. Alle Möglichkeiten.

Also, das hätt' ich dir jetzt nicht zugetraut

Collagen von Lena

Meistens wird davon ausgegangen, das äußere von Menschen lasse automatisch auf das innere schließen.
Gedanken dazu in Collagenförmiger Form gibt es hier.


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Monthly diaries - February

Übersetzungen/Text von Kat, Translations/text from Kat


(If you ask yourself right now what is this just click here. Falls du dich gerade fragst, was das hier ist klick einfach hier.)


I wanted to use this diary edition to introduce a new member of Hildegard, Mayra, who will make illustrations for us. The one above is also from her.
Ich wollte diese Ausgabe der Diaries dazu nutzen, ein neues Mitglied von Hildegard vorzustellen, Mayra, die von nun an Illustrationen für uns machen wird. Die obere ist auch schon von ihr.


Guillaume 

Ren Hang: nudity in contemporary art.
Nudity is an obvious taboo in the overall society nowadays, but what happens when art takes decency away and confronts you to the uncanny sight of a naked body?
The 29 years old photographer Ren Hang who died tragically on the 25th of February might be the one to open your eyes about naked bodies and intimacy. Not too far from the famous painting, The Origin of the World, his work globally treats nudity with comedy and aesthetic. The photographer's work, on the verge of sexual explicitness, has received various responses, from the sanctions of the Chinese regime to the many expositions he has made; his art might be pretty shocking to some but it is also without a doubt oddly pleasing with its unique aesthetic.


Now, if you're not accustomed to the sight of genitals and naked bodies, you can still pay tribute to Ren Hang's work who suffered depression and died at a young age, to his view on the body, to his way to make art, and to his life.
http://www.renhang.org/


Ren Hang: Nacktheit in moderner Kunst
In unserer heutigen Gesellschaft ist Nacktheit immer noch ein großes Tabu, aber was passiert, wenn Kunst uns mit unheimlichen Bildern von nackten Körpern konfrontiert und so unserem normalen Anstand widerspricht?
Der 29 Jahre alte Fotograf Ren Hang, der am 25. Februar einen tragischen Tod erlitt könnte vielleicht derjenige sein, der deine Sicht auf Körper und Intimität verändert. So ähnlich wie das berühmte Gemälde "The origin of the world" behandeln auch seine Bilder Nacktheit mit einer gewissen Komik und einer ganz speziellen Ästhetik.  
Seine Bilder, oft fast schon zu eindeutig, haben viele verschiedene Reaktionen hervorgerufen, die chinesische Regierung verbot sie, gleichzeitig wurden sie schon oft ausgestellt. Seine Fotos mögen für manche schockierend wirken, gleichzeitig haben sie aber auch eine seltsam schöne und eigene Ästhetik. 
Und selbst wenn du nicht gerne Genitalien und nackte Körper anschaust kannst du immer noch Ren Hang, der an Depressionen litt und jung starb, und sein Schaffen, seine Sicht auf Kunst und Körper und sein Leben würdigen.
www.renhang.org




Let's go out tonight


Text von Caro, Bild von meiner guten und außerdem super-talentierten  Freundin Anna (klickt auf den Link und guckt euch ihren Instagram an, ihr werdet es nicht bereuen) :))


Let’s go out tonight
Let’s get into a fight
Between what we should do
And what Tequila wants us to


Let’s put on fake lashes
Let’s fill up our glasses
I know my friends will forget
Everything they said


Let’s hit the streets
Let’s rip away the sheets
Maybe love waits at the bottom of this bottle
Maybe love waits in his messy dorm room


Let’s wait until the booze hits
Let’s turn up the music
I can’t sing so I scream the words to my favorite songs
You get them all wrong


Let’s go talk to strangers
Let’s kiss people we won’t remember
Sad old men searching for that one true feeling
Tell young girls how good they look while kneeling


Let’s go out tonight
Let’s get into a fight
But, man, it’s no fun to overdose
When people call the police on a bloody nose

We lost ourselves



Es ist passiert: Ausgerechnet beim Thema „Gemeinsam“ haben wir es als Gruppe nicht hinbekommen, wirklich etwas zu veröffentlichen. Schulstress, Unistress, Umzugsstress, keine Zeit oder schlichtweg keine Inspiration waren Auslöser für diese Flaute.
So weitergehen kann es natürlich nicht. Also haben wir für 2017 einiges beschlossen: Zuerst einmal werden wir die Themen abschaffen. Wir hoffen, dass es so zu mehr Veröffentlichungen kommt, da man sich nicht an ein Motto halten muss (wobei wir das sowieso schon immer gerne ignoriert haben), und sich die allgemeine Kreativität wieder stärker fördern lässt. Trotzdem haben wir vor, immer wieder „Serien“ von Posts zu einem bestimmten Thema machen. Kommt drauf an, was uns eben so einfällt.
Auch die Mottos zu den Wochentagen (Bsp. "Diary Dienstag") lassen wir ab jetzt bleiben, einfach, weil wir uns da sowieso so gut wie nie dran gehalten haben.
Wir sind dabei, uns neu zu definieren - als Website, als Gruppe, als Schaffende - und wir hoffen, ihr begleitet uns auch nach der ungewollten Pause weiter auf unserem Weg. Es gibt viel zu schreiben, viel zu sagen, viel zu fotografieren, und auch: Viel zu lernen, immer wieder aufs Neue. Es gilt, sich weiterzuentwickeln.
Denn im Endeffekt geht es uns bei all dem um eines: Hildegard soll uns (und euch!) Spaß machen! ♥

P.S.: Wir haben noch einige Formatierungsprobleme, weshalb sich unsere Website im Moment im "Umbau" befindet - die Wochentage beispielsweise werden nach wie vor angezeigt. Lasst euch von sowas einfach nicht irritieren. 


Monthly Diaries

Text von Kat, Illustration von Lena


Today we are launching a new series on Hildegard: The monthly diaries.
From now on we will publish a serie of "diary entries" in any form during every last week of the month. The entries will be created by teenagers and young adults from different corners of the globe and published in the prefered language of the creator and in a (very free) german translation.

So these are our new diary writers!
(they will all write as often as they find time and ideas to)

Tola, 13 years old, from the US
Erin, 14 years old, from the East Coast of the US
Paris, 15 years old, from Birmingham in the UK
Lexi, 15 years old, from Illinois in the US
Tim, 16 years old, from Germany
Guillaume, 17 years old, from France
Megan, 18 years old, from Scotland in the UK

I`m looking forward to this new series and to all the wonderful diaries we can expect!

If you are also interested to publish diaries on Hildegard just write us an E-Mail with a short description of yourself and maybe an example for a diary entry at hellohildegard@gmail.com.

Kat
(This project was inspired by the daily diary series of rookiemag.com)


Heute starten wir hier auf Hildegard eine neue Serie: Die monthly diaries

Ab heute werden wir in jeder letzten Monatswoche eine Sammlung von „Tagebucheinträgen“, in welcher Form auch immer, veröffentlichen. Die Einträge werden von Teenagern und jungen Erwachsenen aus allen Ecken der Welt geschrieben werden und hier in der (bevorzugten) Sprache des Schreiber/ der Schreiberin und in einer (sehr freien) deustchen Übersetzung erscheinen.

Also, das hier sind unsere neuen Tagebuchschreiber/innen!
(sie werden alle so oft für uns schreiben, wie sie Zeit und Ideen haben)

Tola, 13 Jahre alt, aus den USA
Erin, 14 Jahre alt, von der Ostküste der USA
Paris, 15 Jahre alt, aus Birmingham in Großbritannien
Lexi, 15 Jahre alt, aus Illinois in den USA
Tim, 16 Jahre alt, aus Deutschland
Guillaume, 17 Jahre alt, aus Frankreich
Megan, 18 Jahre alt, aus Schottland in Großbritannien

Ich freue mich schon total auf diese neue Serie und auf all die tollen Tagebucheinträge, die wir erwarten können.

Falls du auch Interesse daran hast Diaries für uns zu schreiben schick doch einfach eine E-Mail an hellohildegard@gmail.com, in der du dich kurz vorstellst und vielleicht auch noch eine kurze Schreibprobe oder ähnliches mitschickst.

Kat
(Dieses Projekt wurde von der daily diarie series auf Rookiemag.com inspiriert)


Tola
We all can agree that 2016 sucked. A new year calls for new changes. Everyone says “New year, New me”. But for the last few years that’s all I’ve been saying and guess what, I’m still the same. No matter how good the new year resolution was, I never stuck to it. It was always to be more healthy, or procrastinate less.

This year I was planning to be healthy and have more effort into work. After the first week of the year I was looking at old photos of me and noticed how I thought they looked bad. Then I had a thought about how self conscious I am. But then I thought of an idea. Instead of my basic New Year's resolutions, I’ll make a new one that I’ve never tried before, which was to not be self conscious. My goal is to actually stick to this resolution and hopefully I will.


Wir können uns alle darauf einigen, dass 2016 scheiße war. Ein neues Jahr ruf nun nach neuen Veränderungen. Jeder sagt immer "Neues Jahr, neues Ich". Und in den letzten Jahren war das alles, was ich ich gesagt habe. Aber wen überrascht es, ich bin immer noch die selbe. Egal wie gut meine Vorsätze waren, ich habe sie nie eingehalten. Ich wollte immer gesünder werden oder weniger prokastinieren.

Dieses Jahr hatte ich vor gesünder zu werden und mir mehr Mühe bei den Dingen die ich mache zu geben. Aber in der ersten Woche des Jahres schaute ich mir alte Fotos von mir an und stellte fest, dass ich fand, dass die Fotos schlecht aussahen. Deswegen fing ich an darüber nach zu denken, wie unsicher ich bin und bekam eine Idee. Anstand meiner üblichen Vorsätze möchte ich dieses Jahr einen neuen Vorsatz haben, einen den ich noch nie hatte. Nicht mehr so unsicher wegen mir selbst zu sein. Mein Ziel ist es, dieses Jahr endlich mal einen Vorsatz ein zu halten und ich hoffe sehr, dass ich das schaffe.



Guillaume
2016 movies that deserve more recognition
This past year, some good movies went unnoticed. You probably haven't seen good review of them, in fact, you may never have heard about some of them; this is the top 4 of forgotten, underrated and actually some of the best movies of 2016 (no, I couldn't find a fifth one) that you should add to your "to-watch" list.


4- Ghostbusters (by Paul Feig)
The funniest movie of all time ?
After a huge controversy about the full women casting of this remake, after what was called the "most disliked trailer of all time" and after the countless predictions of failure, Ghostbusters was, indeed, not unnoticed at all but clearly underrated. Now, despite all the negative critics in line with these dramas, Ghostbusters is the most humoristic movie of 2016 (like, for real, the gags ne-ver stop) with the funniest actress of all time: Melissa McCarthy.


3- The handmaiden (by Park Chan-wook)
And uncommonly intense tragicomedy.
 There has been more and more Korean masterpieces released in occidental countries these past years and this is one of them: The Handmaiden, probably one of the most original of those movies. Visually, it is is very neat, scenaristically it is the exact same; overall, this one film is nearly perfect (or totally perfect, I mean… I can barely find a single flaw) and both of its trivial and dark scenes were breathtaking and legitimately positively welcomed by the critics, although it wasn't talked about enough…


2- It's just the end of the world (by Xavier Dolan)A slow-paced and contemplational family drama
 The last movie made by Xavier Dolan and the less welcomed so far ! That's a shame because this one is the most unique one. This cinematographic adaptation of a play is a paroxysmal masterpiece, one could totally complain about its theatrical aspect (the critics did) but honestly… ok, I must admit, it is an odd but very satisfying movie, but even though the not-so-good reception is understandable Dolan himself considers it to be the best movie he has made so far.


1- The witch (by Robert Eggers)An aesthetically dull horror movie about witchcraft (the title is self-explanatory isn't it !)
 And the first place goes to The Witch!  This movie was, like The Handmaiden, acclaimed by the press but not really by the audience whereas this is such an innovating and aesthetic film that brings a bit of renewal to the horror movie genre just with its dull and realistic atmosphere, you have probably never seen a horror movie like this one. It is probably one of the best movies of 2016 and, honestly, who doesn't like a bit of witchcraft?

Now you know what you have to do: watch these movies (because you probably have yet, for most of them) and enjoy!


Filme aus 2016, die mehr Anerkennung verdienen
Im letzten Jahr gab es einige gute Filme, die nur wenig wahrgenommen wurden. Wahrscheinlich hast du bisher noch keine gute Besprechung von ihnen gelesen, oder überhaupt von ihnen gehört. Dieses ist meine "Top-4" (und nein, ich habe es nicht geschafft noch einen fünften Film zu finden) von Filmen, die in 2016 unterschätzt und vergessen wurde, und die ihr schnell auf eure "To-watch"-Liste tun solltet!

4. Ghostbuster (von Paul Feig)
Vielleicht der lustigste Film aller Zeiten?
Nach dem es erst einen Skandal wegen dem rein weiblichen Cast des Remakes gab, dann den "meistgehassten Trailer aller Zeit" und zuletzt lauter Vorhersagungen, dass der Film scheitern würde war Ghostbuster definitiv nicht ein nicht wahrgenommener Film, wurde aber trotzdem unterschätzt. Den trotz all den negativen Besprechungen ist Ghostbuster meiner Meinung nach der lustigstes Film aus 2016 (wirklich, die Witze hören NIE auf) mit der lustigesten Schauspielerin aller Zeiten: Melissa McCartney.

3. The handmaiden (von Park Chan-Wook)
Ein ungewöhnlich dramatische Tragikkömidie.
In den letzten Jahren erschienen auch im "Westen" immer mehr koreanische Filme und dieser ist einer, und wahrscheinlich der einzigartigste, davon. Visuel und szenisch ist dieser Film sehr hübsch und auch insgesamt ist der Film so gut wie perfekt (oder komplett perfekt, ich kann um ehrlich zu sein kaum einen Fehler finden). Sowohl seine einfacheren, als auch seine dunkleren Szenen sind atemberaubend und aus guten Gründen von Filmkritikern gut aufgenommen, wenn auch nicht oft genug...

2. Its just the end of the world (von Xavier Dolan)
Ein langsames und komplatives Familiendrama.
Der letzte, und am wenigsten beachtet, Film von Xavier Dolan, was wirklich eine Schande ist, da es einer seiner originellsten Filme ist. Die Kinoversion dieses Theaterstückes ist ein Meisterwerk und auch wenn man sich über seine theatralsichen Aspekte beschweren könnte (die Filmkritiker taten genau das), aber um ehrlich zu sein...ich muss zu geben, dass ich den Film seltsam gut finde, und auch wenn man die schlechten Besprechungen verstehen kann meinte sogar Dolan selbst, dass dieses sein bisher bester Film ist.

1. The witch (von Rober Eggers)
Ein seltsam wirkender Film über Hexen (der Titel erklärt sich irgendwie selber..)
Und der erste Platz geht an "The witch"! Dieser Film wurde, wie "The Handmaiden" zwar von Kritiker anerkannt, wurde jedoch vom Publikum nur gering wargenommen, was sher Schade ist, da "The witch" ein sehr inovativer und schöner Film ist, der mit seiner stumpfen, aber realistsichen, Atmospäre eine echte Auffrischung für das Horrorfilmgenre ist. Deswegen hast du wahrscheinlich auch noch nie so einen Horrorfilm wie diesen hier gesehen. Der Film ist meiner Meinung nach der beste Film aus 2016 und außerdem, wer mag ein bisschen Hexerei den nicht?

Also, jetzt weißt du was du zu tun hast, diese Filme schauen und sie genießen!

WhatsApp Wichteln

Text und Organisation von Dora, Bild von Lena.

Hildegard Magazin ist praktisch eine WhatsApp-Gruppe von schreibbegeisterten Mädchen aus verschieden Orten dieser Welt- die meisten von uns haben sich noch nie gesehen! Da wir aber alle ziemlich begeistert von der Weihnachtswichteltradition sind, haben wir versucht diese in unsere Zeit und für WhatsApp zu übersetzen. Wichteln ist komplizierter als man denken könnte! Wir haben einen Online- Wichtelgenerator verwendet, der auslost, wer für wen etwas wichtelt. Jeder konnte einen Wichtelwunsch hinter seinem Namen eintragen- das sollte ein Stichwort sein, das mit dem vergangenen Jahr 2016 zu tun hat. Dafür sollte der Wichtel dann ein oder mehrere YouTube Videos finden. Hundertprozentig geklappt hat das am Ende nicht- aber spannend war es trotzdem! Unten seht ihr nun die Ergebnisse! 












ComputerTastenMagnetenDoItYourself

Von Lena

Vor ein paar Wochen zu später Stunde am Nachhauseweg eine alte Computertastatur am Sperrmüll gefunden. Musste sie natürlich sofort mitnehmen, weil, für irgendwas kann man die ja immer mal brauchen..
Am nächsten Tag dann zuerst einmal nicht gewusst, was daraus machen und wieso ich die überhaupt mitgenommen habe. Dann aber der Einfall: Weihnachten ist ja bald, warum kein Weihnachtsgeschenk aus den Tasten machen.. Freudestrahlend über diese glorreiche Idee alle Tasten herausgerissen (geht übrigens ganz einfach), dann aber ewig und drei Tage liegen gelassen und erst am 24. bemerkt, dass sich die Tasten leider trotz großer Hoffnung darauf nicht in irgendwelche leiwanden Präsente verwandelt haben.
Einige Tage später dann der Einfall für dieses kleine DIY, die Magnete können ja aufgehoben werden bis nächstes Jahr, oder am 7. Januar pünktlich in Russland abgeliefert werden. Naja, egal, viel Spaß..






Euro Trash Girl

von Dora

Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Zukunft. Es ist Silvester. Der Übergang zu 2017. Futuristische Hoffnungen, die an das neue Millennium gerichtet waren, wurden seit Neujahr 2000 enttäuscht. Die Welt scheint sich nicht immer nur zum Guten weiterzuentwickeln. Wir schwelgen gerne in Erinnerung an diese Hoffnungen und erwarten mit Spannung das nächste Jahr.

Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen Erwartungen und unseren eigenen Vorstellungen. Wir sind jung. Gerne wird sich von Schönheitsidealen abgewandt und mit dem vermeintlich „hässlichen“ experimentiert. 

Es sind Zeiten extremen Kapitalismus. Sexismus wird gezielt für Marketingstrategien benutzt. Feministinnen fragen sich, wie sie dagegen vorgehen können. Manche spielen mit den Klischees und versuchen all das Negative zu zelebrieren, mit dem sie konfrontiert werden. Sie versuchen bestimmte Begriffe und Anschauungen zu entwerten. Sie wollen zeigen, dass sie Kontrolle über ihre „Weiblichkeit“ haben. Es ist ihre Entscheidung „feminin“ zu sein; eine der vielen Möglichkeiten sich auszudrücken, und vor allem eine, die hauptsächlich Personen weiblichen Geschlechts vorbehalten ist. Ein Freiraum, der oft einen mystischen Eindruck auf die restlichen 50% der Weltbevölkerung macht. Durch Übertreibung schüchtern diese Feministinnen ein. Weiblichkeit ist ihre Waffe.

Setzt euch nun eure 2000er pinken Paris Hilton Shades auf und dreht für die folgende Playlist den Ghettoblaster auf!


Fallen

Gerade viele verschiedene Bilder von vielen verschiedenen Tagen an vielen verschiedenen Orten auf vielen verschiedenen Speicherkarten gefunden (entschuldigung für die vielen verschiedenen 'vielen verschiedenens'.. haha. Wortwiederholungen sind manchmal so gemütlich, oder?). Hier also (viele verschiedene) Fotografien zum Fallen und ankommen und so.

Von Lena









Editorial #12: Gemeinsam

Quelle: trxpqueens

Uuund es gibt mal wieder eine kleine Playlist zum Einstimmen auf das aktuellen Thema: GEMEINSAM. Dieses Mal haben wir sie auf Spotify erstellt und hoffen sehr, das funktioniert so, wie wir uns das vorstellen ;)


https://play.spotify.com/user/hildegardmagazin/playlist/3bZA87092odCbXP8QjbmPb

Together we're a lilac sky







Together we´re a lilac sky

Was bewegt uns? Warum suchen wir immer wieder Antworten auf eine Frage, die wir nicht formulieren können? Was genau ist das "x" in der Gleichung, die wir unser Leben lang aufzulösen versuchen?
Schwere Fragen, die auch in unserer ohnehin übervollen und reizbeladenen Jugend über uns hängen. Schwere Fragen, die wir, Maria und Toni, beide 17 Jahre alt, Schülerinnen und Vollzeitromantikerinnen, versuchen mit Leichtigkeit und wahrem Ausdruck zu umspielen. Unser Projekt "Lilac" besteht aus gegenseitiger Inspiration. Maria, die Malerin unter uns, zeichnet ein Bild für Toni und inspiriert sie damit zu einem Gedicht. Später schreibt Toni etwas und Maria fließt dazu direkt aus ihrer Vorstellung etwas über ihre Stifte und Pinsel aufs Papier.
Weil es (nicht auf unendlich vielen Seiten voller Wörter und Bildern) keine Antworten auf die großen Fragen gibt, halten wir uns an das Kurze, aber Durchdringende. So kann man vielleicht sogar Spaß haben an den gewaltigen Geheimnissen, die uns zu dem treiben, was wir tun.
Wir hoffen, wir bieten allen Lesern und Betrachtern ein bisschen Freude und ein bisschen Halt!

Endlich #1

Sieh dich um, tausend Leben schon gelebt
Und du traust dich nicht einmal, den Wipfel dieses Baumes zu betrachten
Könntest ja die Endlichkeit entdecken


Hör, die Vögel geben dir den Rhythmus
Das, was du schon so oft und oft gehört und was dich reizt
Zu vergessen, dass du deine eignen Lieder singen musst
Gib dich nicht nur hin, gib auch deine eigne Inwendigkeit


Ohnmacht soll für dich nur Boden für das Neue sein
Schwäche halte wie ein breiter Fluss die ruhige Quelle
Entspringe deinem wurzelstarren Anbeginn


Lebe häufig und bedacht, setz den nächsten Schritt nicht nach dem Tod
Halte deine Tiefenfülle nicht zurück

Jage alles, was dein Strom von dir erlangt






Wahre Größe

Das haben wir schon lange so ersehnt, ein erstes Lachen aus der Liebe
Dass du seelensprühend uns dein Bild in Inbrunst zeichnest
Gibst dich hin, entzückend weit vom Grunde abgelegen
Lässt erspüren, was in Eden fühlen heißt


Ewig lange Jahre könnt´man deinen Sanftmut strömen sehen
Der sich in die weite Seele gießt , die du hast mit Leichtigkeit geöffnet
Schallend kräftig klingt die Freude deines Wesens wider
Bist ein wallendfroher Hinweis auf die Ewigkeit


So allein ist es uns offen, das Portal das uns zur Feinheit führt
Die uns sanft beflüsternd lieblich Träume leben lässt
Die aller Gewalt nur die Gefahr, nicht aber die Spannung nimmt
Die uns flügelschlagend aus dem Meer zum Horizont trägt



Abenteuer im *ganz echten* Leben

Text und Bild von Lena


Ich hatte vor kurzem eine Erkenntnis. Bücher und Filme sind nicht mehr länger spannender als das Leben. Oder: Das Leben ist genau so spannend wie Bücher und Filme, wenn nicht sogar noch besser. Also, ausgenommen Harry Potter und Jonas Jonasson Bücher und Fluch der Karibik und den Filmen mit den Minions ect. Was ich meine, sind diese Jugendromane/-Filme, John Green und so weiter, also #reallife in Person.

Erst neulich habe ich also bemerkt, dass das Teenager-Leben eigentlich doch nie so normal ist, wie man eigentlich meint, unabenteuerlich und faad und eben …normal.
Wir sind damals schon zwei Stunden lang im Gras gestanden mit einem Schild in der Hand, auf dem 'Stockholm' geschrieben war, zwei fetten Rucksäcken neben uns und haben den hunderten und tausenden Autos zugeschaut, wie sie nicht stehen blieben und uns nicht mitnahmen. Es ist schräg, gerade habe ich den vorigen Satz nocheinmal gelesen, und es klingt schon wieder unerreichbar aufregend, so eine tolle Autostoppergeschichte zu hören. Das ist der Punkt. Viele Dinge hören sich in Geschichten super und spannend und aufregend an, im echten Leben sind sie einfach nur scheiße. Mal ehrlich, wem macht es Spaß, zwei Stunden lang irgendwo in der schwedischen Pampa zu stehen, sich einen netten Sonnenbrand zu holen und den vorbeirasenden Autos nachzustarren. Außerdem dann auch noch festzustellen, dass das hier eigentlich gerade freiwillig ist und man einfach auch mit dem Zug fahren können hätte. Natürlich macht es in einer gewissen Weise Spaß, weil Autostoppen nun mal Spaß macht, im großen und ganzen, und aufregend ist, im großen und ganzen, und weil man viele neue Leute trifft, im großen und ganzen, was wiederum Spaß macht und aufregend ist, im großen und ganzen.

Ich meine, ich liebe die Rocky Horror Picture Show-Szene, in der Janet und Brad in Dr. Frank'n'Further's Schluss kommen und sich irgendwie fürchten und irgendwie auch einfach irritiert von allem sind, was sie sehen, und sich dadurch wieder mehr fürchten. Und es ist wunderbar, ihnen dabei zuzusehen und hören, aber für die beiden muss es in dem Moment einfach nur furchteinflößend und irritierend sein, was jetzt nicht gerade die tollsten Gefühle auf Erden bedeutet.
Und ich mag die Szene trotzdem, einfach, weil sie von außen betrachtet witzig und aufregend und kurios wirkt, obwohl sie das von innen wahrscheinlich echt nicht ist.

Erst heute habe ich eine Frau im Zug getroffen, die mir nach einiger Zeit von ihrem Kabaretprogramm erzählt hat. Ich stelle mir Kabarets schreiben wirklich hart vor, ich finde es so schwierig, wirklich lustig zu sein, wenn's drum geht. Auf die Fragen, was sie zum Schreiben anrege und woher sie ihre Ideen bekäme und wie sie das überhaupt mache, witzig zu sein, meinte sie ganz einfach, der Alltag sei ihre einzige Inspiration. Das einzige, was sie machen würde, sei genau zu beobachten und 'normale' Situationen als absurde Vorgänge zu betrachten, alles ein wenig 'unzunormalisieren', zu realisieren, wie komisch unsere eigentlichen 'Alltagssituationen' eigentlich seien. Und dann natürlich beim Performen: überziehen, größer darstellen, lustige Gesichter machen und übertreiben.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es auch mit Abenteuern so ähnlich ist. Das ganze ist ja ohnehin extrem subjektiv, wie definiert man 'Abenteuer' oder 'aufregend' schon im 'echten Leben', oida. Vielleicht sind wir einfach alle wie Luna Lovegood. Wir sehen nicht mehr, wie spannend manche Situationen sind und finden das Absurdeste komplett normal. Vor allem nicht so leiwande Dinge wie wirken in Geschichten immer ganzganz anders.

Also gut, hier das zusammengefasstes Schlusswort, damit du dir nicht mehr länger mein herumgeschwafel geben musst und endlich damit weitermachen kannst, deine Abenteuer zu erleben: Wäre dein Leben ein Buch, es wäre unheimlich spannend und lustig und tragisch und super. Ich meine, Harry Potter werden wir nie das Wasser reichen können, aber wir können es erstens wenigstens versuchen und zweitens einfach wahrnehmen und uns bewusst werden, wie aufregend wir eigentlich sind. Oder wie normal Jugendbuch- und Filmfiguren. Und/oder eben einfach beides.

Wo wir hingehören

Text von Caro, Illustration von Lena

Mimi rauchte so viel, sie war praktisch ein Schornstein, dauerqualmend. Die eine Zigarette noch in der Hand, zündete sie sich bereits die nächste an. Wir wurden Freunde in der Sucht, denn Dünn sein ist schließlich auch eine Droge. Und so zogen wir Nacht für Nacht los, zwei junge Mädchen auf der Suche nach irgendwas, was uns lebendig machte und uns gleichzeitig unsere eigene Sterblichkeit vor Augen führte. Ohne Plan, ohne wirkliches Ziel, Hauptsache, wir waren in Bewegung.
Miese Parties in finsteren Hauskellern bringen dich den Menschen näher. „Die Erwachsenen, die wollen einen immer nur einsperren, verbiegen, ausbeuten. Aber ich sag euch was – je fester die mich anketten, desto eher reiß ich mich los.“ Starke Worte, unter Alkoholeinfluss gesprochen. Beeindruckte Gesichter, zu Gehirnen gehörend, die nur noch um die Ecke denken können.
Ein Edding ist auch eine Waffe. Und Betonwände seine Schlachtfelder. Gedichte in der Stadt verteilt, vom leisen Schrei der ewig Ungehörten, doch wer liest schon was unter Brücken steht? Eher noch was auf ihnen steht. Mach das mal ein halbes Jahr lang jeden zweiten Tag, betrunken über die Missstände in dieser Welt diskutieren, zu viel rauchen, und zu wenig kiffen, um dem Ganzen entspannt gegenüberzustehen. Schreib mal ein halbes Jahr lang jeden zweiten Tag nach solchen Nächten Gedichte, auf die klotzigen Wahrzeichen des Kapitalismus geschmiert, gut gemeint, aber alle schlecht formuliert, weil man zu müde und zu benebelt ist, bloß inspiriert vom Morgengrauen. Da kann man nur zur Anarchistin werden.
Nach diesem halben Jahr waren wir also ziemlich fertig. Wir wussten schon, das System war falsch, und überhaupt, man musste daraus ausbrechen. Aber was genau jetzt so falsch lief – letzte Nacht vergessen. Und zum Ausbrechen hatten wir auch keine Zeit, denn neben all den Parties, anstrengenden Gesprächen, dem Alkohol, den Drogen, dem Gedichte schreiben mussten wir auch noch zur Schule gehen, auch wenn die zum System gehörte, und lernen, auch wenn wir uns damit dem System beugten, und Zeit mit unseren Familien verbringen, auch wenn das total veraltet und systemtreu war, und Musik hören und ins Kino gehen und Kaffee trinken, auch wenn das nicht sehr produktiv war und das System auch nicht untergrub. Aber mein Gott. Oder, äh, Gott war ja eigentlich auch Teil des Systems. Also aber was solls. Wir waren ja auch nur Menschen.
Im Endeffekt guckten wir halt doch lieber „Berlin Tag & Nacht“, statt DIE Revolution zu starten. War bequemer. Einfacher. Und überhaupt, nach einem langen Schultag inklusive Lernen hatte man für so anstrengende Aktionen auch gar keine Nerven mehr. Wir fühlten uns klug und wichtig, wenn wir, uns an unsere Zigaretten und Weingläser klammernd, auf alten Sofas hockten und groß daherredeten von Veränderung und sozialen Umstürzen. Und morgens gingen wir nach Hause, legten uns schlafen, machten die Augen zu vor dem Morgen, der Realität, der Welt, unseren eigenen Behauptungen. So ging das dieses halbe Jahr dahin, bis einer von uns tatsächlich was tat, zumindest versuchte, seine großen Worte in die Tat umzusetzen, und dabei ordentlich Scheiße baute, und alles auseinanderfiel.

Der Anfang vom Ende kam ziemlich überraschend. Ich kannte den Typen, der alleine revoltierte, nicht wirklich. Er war halt auch da, in unserer großen Runde, wenn wir diskutierten und rauchten und tranken. Aber ich wusste nicht, wie er hieß, wer ihn mitgebracht hatte oder ob er alleine gekommen war. Störte mich nicht. Er war eben auch dabei. Als ich eines Vormittags, den ich eigentlich durchschlafen wollte, einen aufgeregten Anruf von Mimi, meiner Freundin in der Sucht, bekam und sie irgendetwas redete von wegen, Alex hätte eine Kirche abgefackelt, kannte ich  mich erstmal also gar nicht aus.
„Warte - WER hat WAS getan?“ Müde setzte ich mich auf.
„ALEX. Du weißt schon, dieser große brünette Typ mit Brille, der nur Weißwein trinkt.“ Ich konnte förmlich sehen, wie sie mit den Augen rollte und natürlich nach ihren Zigaretten suchte, während ich mein noch träges Gehirn nach einer Erinnerung an diesen Alex durchforstete. Eine trübe Gestalt manifestierte sich vor meinem inneren Auge.
„Äh, ja, ich weiß ungefähr, wen du meinst. Und der soll was bitte getan haben?“ Ich streckte mich und lehnte mich ans Kopfteil meines Bettes.
„Er hat eine Kirche abgefackelt. Die Kleine in der Nähe vom Industriegebiet.“
„Waren wir da nicht mal im Sommer grillen?“
„Ja, gleich daneben ist so ein ranziger Campingplatz, da waren wir.“ Wir schwiegen beide kurz und hingen unseren Gedanken an diesen Grillabend nach, der uns beiden nur verschwommen im Gedächtnis geblieben war.
„Aber darum geht’s ja grade gar nicht…“, fuhr Mimi dann hektisch fort, „…sondern es geht darum, dass die Kirche jetzt nicht mehr steht, weil Alex da heute Morgen Feuer gelegt hat.“
Sie begann, mir alles, was sie wusste, ausführlich zu erzählen. Offenbar war Alex an diesem Morgen nach der üblichen Gedichte-Kritzelei  nicht wie wir anderen nach Hause gegangen, sondern mit dem ersten Bus raus an den Stadtrand gefahren. Ob er es geplant hatte oder nicht, irgendwann war er jedenfalls bei der kleinen Kirche angekommen, hatte eine Seitentür aufgebrochen und mit seinem Gratis-Feuerzeug von irgendeiner System-Partei den hölzernen Jesus, das Tuch auf dem Altar, die Sitzkissen und ungefähr so jede Kerze, die er finden konnte, angezündet. Danach war er raus und hatte das Gebäude seinem Schicksal überlassen.
„Das ist ja mal krass!“ war mein wenig taktvoller Kommentar zu dem Vorkommnis. Aber was sollte man auch sonst sagen? „Und jetzt? Ist er verhaftet worden?“ Was unser Brandstifter nämlich gemacht hatte, während das Gotteshaus in Flammen aufging, hatte Mimi nicht erwähnt.
„Eben nicht! Er ist ja abgehauen und hat’s Coco erzählt, und die hat’s Marius erzählt, und der hat’s mir erzählt, aber inzwischen wissen es wohl schon alle. Nur die Polizei nicht. Zumindest noch nicht.“
„Das ist ja noch krasser…“ murmelte ich überrascht.
„Falls sie ihn suchen, wir wissen von nichts.“ Klar. Man konnte seine Leute nicht verraten. Auch wenn man sie nicht wirklich kannte. „Er hat sich was getraut, weißt du? Endlich hat sich einer was getraut.“ fügte Mimi nach kurzem Schweigen hinzu, und ich widersprach ihr nicht, obwohl ich es nicht revolutionär oder sinnvoll fand, Kirchen anzuzünden. Auf die Straße gehen und gegen Atomkraft oder für Tierschutz zu demonstrieren war immer noch effektiver. Aber das. Naja. Eigentlich nur riskant und kostspielig. Klar – das System musste die Feuerwehr bezahlen, die polizeilichen Ermittlungen, vielleicht einen Wiederaufbau der Kirche. Damit hatte man dem System schon eins ausgewischt. Irgendwie zumindest. Im Endeffekt den Steuerzahlern, also im Endeffekt auch uns. Aber das sagte ich alles nicht. Das wollte keiner hören.
Da ich also nichts Wichtiges mehr zu sagen hatte, verabschiedete ich mich von Mimi („Wie kannst du denn jetzt schlafen gehen?? Wo grade was passiert!“), legte das Handy weg und versuchte, wieder einzuschlafen. Aber es wollte mir nicht so recht gelingen. Nach einer Stunde zwischen Wachsein und Träumen, die voller Weißwein und brennender Kreuze waren, beschloss ich, es sein zu lassen. Stattdessen hievte ich meinen dürren Körper unter die Dusche und lies das Wasser so lange auf mich runterprasseln, bis ich mich wieder halbwegs belebt fühlte.

„Hast du’s schon gehört?“ fragte meine Mutter mich, als ich in die Küche getrottet kam.
„Hmmm?“
Sie starrte wie gebannt auf den Bildschirm unseres alten Röhrenfernsehers, über den Bilder einer brennenden Kirche flackerten. DIE Kirche. Eine blonde Reporterin sprach verwirrt ins Mikrofon. Es wurde bereits von Brandstiftung ausgegangen, und offenbar waren die Hauptverdächtigen unbekannte radikalreligiöse Ausländer. Natürlich. Ich schüttelte kaum merklich den Kopf und goss mir etwas Kaffee ein, den Mama offenbar für sich vorbereitet, nun aber ganz vergessen hatte.
„Wer macht denn sowas…das habe ich noch nie gehört. Einfach so.“ Sie wirkte ernsthaft irritiert. Aber wenn ich genauer drüber nachdachte, hatte ich auch noch nie irgendwo gehört, dass eine Kirche abgefackelt worden war. So in Friedenszeiten. Ohne offensichtlichen Grund. Natürlich kannte keiner den Grund, keiner, außer unserer Diskussionsrunde. Alex kämpfte gegen das System. Oder er bildete es sich zumindest ein. Seufzend setzte ich mich an den Küchentisch und stützte meine Tasse Kaffee auf meinen Knien ab. Inzwischen hielt die blonde Reporterin einem zuständig wirkenden Polizisten das Mikrofon unter die Nase.
„Wir, äh, ja, wir haben bereits Befragungen mit…mit möglichen Zeugen durchgeführt, aber, äh, dabei ist leider noch nichts herausgekommen.“ Er sprach unsicher, so wie alle Polizisten und Feuerwehrleute, die nach einer Katastrophe oder einem Verbrechen vor die Kamera gezerrt wurden, obwohl sie wirklich nicht für die Pressearbeit gemacht waren.
Ich konnte mir schon vorstellen, wen sie befragt hatten. Dort draußen war nie jemand. Höchstens ein paar Obdachlose und zugedröhnte, verlorene Hippies auf dem angrenzenden, wenig ansprechenden Campingplatz. Also allesamt Leute, die der Polizei nicht vertrauten. Und denen es auch scheißegal war, was so rund um sie herum passierte, Hauptsache, man ließ sie in Frieden schlafen oder kiffen oder weiß Gott was tun. Das brachte niemanden weiter. So langsam begann ich mich zu fragen, ob Alex das Gleiche im Kopf hatte, als er zur Tat geschritten war. Wenn ja, dann hatte er sich das nicht schlecht überlegt. Grübelnd rutschte ich auf dem Küchenstuhl hin und her. Meine Arschknochen lagen hart auf dem dunklen Holz auf und schmerzten. Ich kippte schweigend meinen Kaffee hinunter, während meine Mutter immer noch andächtig dem Bericht lauschte und immer wieder „Na sowas, na sowas…“ murmelte. Sie bemerkte es nicht einmal, als ich die Küche wieder verließ.

Mein Handy spielte derweil verrückt, so viele Nachrichten waren darauf eingegangen. Irgendjemand hatte eine Whatsapp-Gruppe gegründet, in der das ganze Vorkommnis diskutiert und Alex als Held gefeiert wurde. Er selbst war natürlich auch Mitglied und schrieb nur immer wieder so kryptische Sachen wie „Es war ein spontaner Akt gegen das System“, und dann schickte jeder andächtige Emojis. Ich brauchte eine halbe Stunde, um den gesamten Chatverlauf zu lesen, und danach schwirrte mir der Kopf. Wären wir doch bloß beim reden, trinken und Gedichte schreiben geblieben.
Aber ich sag euch was: es hat uns nicht gereicht. Oder, es hätte uns gereicht, wenn es Alex gereicht hätte. Irgendwann tut jemand was, und entweder die Gruppe lehnt es ab und verstößt ihn, oder aber sie feiert es hart.
Nur, Alex hat es nicht aus Systemhass oder Überzeugung getan. Ihm war schlicht und einfach langweilig. So wie uns allen. Wir langweilten uns in unseren hübschen, sicheren Erste-Welt-Leben, und wir waren jung und dumm, also gingen wir zu all diesen Parties und ließen  uns von radikalen Ideen anstecken, um sie dann wieder wegzusaufen. Nur manchmal blieb etwas hängen. Und Alex, Alex, der nur Weißwein trank, und zwar nicht den ausm Tetra-Pack, sondern den ausm Fachhandel, diesem Alex war heute Morgen so unfassbar langweilig, weil er nicht zu seinem Studienplatz der Rechtswissenschaften und seinen Eltern aus der Mittelschicht und seinem promiskuitiven, jedoch wenig erfüllendem Liebesleben zurückkehren wollte. Also fuhr er an den Stadtrand und fackelte diese Kirche ab, in der Hoffnung, aus den heiligen Trümmern als ein neuer Alex emporzusteigen. Naja, ich meine, er kam mir nicht vor wie einer, der groß etwas verändern wird, aber er hatte jetzt eine Whatsapp-Gruppe voller Fans, was will man heutzutage mehr?

Sie erwischten Alex tatsächlich nicht. Dies imponierte seinen Jüngern nur noch mehr. An seiner statt wurden eben ein paar Ausländer dritter Generation, die in einem Betrieb nahe der Kirche arbeiteten, fest genommen, einfach, damit die Polizei behaupten konnte, wir haben jemanden. Gerecht war das nicht. Aber Alex, der so gegen das ungerechte System war, kümmerte das nicht.
„Jede Revolution fordert ihre Opfer.“ pflegte er zu sagen, während er an seinem Weißwein nippte, sich mit seinem legendären Gratis-Feuerzeug von irgendeiner System-Partei eine Zigarette nach der anderen anzündete und dann melancholisch Rauchringe gen Zimmerdecke schweben ließ. Irgendwann fing Mimi was mit ihm an, oder er mit ihr, die beiden miteinander eben, und ab da war sie nicht mehr meine Freundin, weder in der Sucht noch irgendwo sonst. Ich kam auch immer weniger zu den Treffen, weil meine persönliche Sucht überhandnahm und ich kaum mehr die Kraft aufbringen konnte, einen normalen Tag zu überstehen, ohne umzufallen. Eines Tages warf man mich aus der Whatsapp-Gruppe. Niemand der Möchtegern-Revolutionäre kam vorbei, als ich im Krankenhaus landete und man mir einen Schlauch in die Nase steckte. Dafür kam jeder von ihnen zu einer alten Lagerhalle aus Kriegszeiten, die Alex als nächstes abzufackeln gedachte.
Ich sah auf dem Bildschirm des Krankenhausfernsehers, wie die Hallte brannte und brannte, als gäbe es kein Morgen mehr. Die gleiche Nachrichtensprecherin wie beim letzten Mal redete etwas von Brandstiftung, nur dass dieses Mal keine Ausländer verdächtigt wurden, sondern…naja, niemand eigentlich. Man hatte auf die Schnelle keinen passenden Sündenbock gefunden. Aber spätestens morgen würde man wieder einen haben. Ich schaltete um, bevor sie wieder einen Polizisten zum Reden zwangen. Das musste ich mir nicht geben. Es war doch immer das Gleiche.

Ich habe Alex nicht verraten. Ich vertraute darauf, dass ihn das System schon fangen oder die Anarchie ihn umbringen würde, irgendwann. Und es kam, wie es kommen musste: Die Revolution frisst ihre Kinder. Man sollte das zu einem Naturgesetz erklären.
Alex wurde an dem Abend unter den Trümmern eines einstürzenden, brennenden Bungalows begraben, dekadentes Zeichen der Oberschicht, an dem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Ich sah den Bericht im Fernsehen, auf genau derselben Stelle sitzend, auf der ich das letzte Mal gesessen hatte, nur, dass meine Arschknochen nicht mehr so unangenehm drückten. Meine Mutter war schockiert, ich nicht.
Ich ging sogar auf Alex‘ Beerdigung. Sie fand ironischerweise in einer sehr schönen, alten Kirche im Stadtzentrum statt. Das fand ich schon fast wieder lustig. Mimi stand ganz vorne. Sie weinte ziemlich heftig, und da stahl ich mich davon, um eine halbe Stunde später in einem Restaurant zu landen, wo ich mir den teuersten Weißwein auf der Karte bestellte und Alex innerlich einen Toast aussprach.
Er hatte nichts bewegt, er hatte nur zerstört, aber im Endeffekt, da kehren wir doch alle brav an unsere angestammten Plätze zurück, die wir ein Leben  lang einnehmen sollen. All die Eskapaden davor sind nur rebellische, romantisch anmutende Intermezzi, und sie sind nie von Dauer. Alex, unser großer, radikaler Held, lag nun also in einem sündteuren Eichensarg in einer Kirche, die von Steuern und Spenden der von ihm verhassten Systemtreuen lebte. Und genau da gehörte er hin.





Grüße aus Finnland

Fotos und Text von Lena


Es ist so mittelkalt und ich sitze an eine Birke gelehnt am Campingplatz in Oulu, Finnland. Es ist eigentlich ruhig, nur ein bisschen Musik und Gegröle von den Festivalbesucher_innen ein paar Meter enfernt klingen zu mir herüber, außerdem das Schnarchen meines Reisekompanen, der bei meinem Aufstehen meinte, „Ääähh..hmm....es---is....nu-- viel..zu.-frü...unnnd....chrrrrr..“.
Eine fette Entenschar watschelt an mir vorbei, ich frage mich, wie die sicher dreißig Enten wohl hierhergekommen sind. Dann wieder nur Musik und Gegröle. Und halt das Schnarchen, aber an das bin ich schon so sehr gewohnt, dass es mir schon eher auffällt, wenn ich es nicht höre.
Also beschließe ich, die Postkarten, an denen wir schon seit den letzten letzten zwei Wochen geplant haben, zusammenzukleben. ♠